Aktuelles

Die Österreichische Ludwig-Stiftung trauert um Hermann Fillitz


Hermann Fillitz ist am 14. Juni 2022 im 99. Lebensjahr verstorben. Im Mai noch besuchte er die Abegg-Stiftung in Riggisberg in der Schweiz, eine Stiftung mit Museum und Forschungsinstitut, spezialisiert auf Textilkunst. Er war dieser Institution seit Jahrzehnten verbunden, ebenso auch der Österreichischen Ludwig-Stiftung.

Der langjährige Ordinarius des Institutes für Kunstgeschichte der Universität Wien (1974–1994) und ehemalige Erste Direktor des Kunsthistorischen Museums (1982–1990) war einer der Gründungsväter der Österreichischen Ludwig-Stiftung und prägte diese maßgeblich als Stiftungsratsmitglied bis zum Jahr 2017.

Hermann Fillitz’ Engagement für die Österreichischen Ludwig-Stiftung ist einem Glücksfall zu verdanken:

So kannte er das Ehepaar Peter und Irene Ludwig und ihre damals schon weithin bekannte Sammlung aus der Zeit seiner Lehrtätigkeit an der Universität in Basel und war auch mit Hans Mayr, dem damaligen Direktor des Künstlerhauses, gut bekannt. Diesem war es gelungen, Teile der Sammlung Ludwig für die Eröffnungsausstellung des neu adaptierten Palais Lichtenstein, Kunst der letzten 30 Jahre, im Jahr 1979 nach Wien zu bringen. Bereits zuvor wurde Fillitz von Bundesministerin Hertha Firnberg mit der Auswahl von letztendlich 128 Werken aus dem Sammlungsbestand des Ehepaares Ludwig für eine Stiftungsgründung in Österreich beauftragt. Neben dieser Auswahl, darunter u.a. Hauptwerke der Pop Art und des Fotorealismus, war er im ministeriellen Einvernehmen maßgeblich an den Verhandlungen zur Gründung der Österreichischen Ludwig-Stiftung beteiligt, welche 1981 mit Genehmigung der Stiftungsbehörde erfolgte. Damit etablierte sich erstmals eine Institution in Österreich, deren Aufgabe es war und noch immer ist, hiesige Vorhaben im Bereich der bildenden Kunst anzuregen, durchzuführen und zu fördern und damit zugleich auch zu Neuentwicklungen zu ermutigen. Ausschließlich dieser Agenda ist die Stiftung verpflichtet.

Fillitz wird daher zu Recht als einer der Gründungsväter der Österreichischen Ludwig-Stiftung bezeichnet, für die er ebenso seit ihrer Gründung Mitglied des Stiftungsrates war. Als anerkannter Kunsthistoriker und profunder Kenner der Gegenwartskunst leistete er einen essentiellen Beitrag zur Etablierung einer zeitgenössischen, österreichischen Kulturszene, für den Inhalt der Sammlung der Stiftung und ihrer zukünftigen Ausrichtung. Damit wurde und wird es Bundesmuseen ermöglicht, namhafte Werke zeitgenössischer Kunst als Dauerleihgaben zu erhalten, womit gemäß Stiftungsauftrag ein wesentlicher Beitrag zur Darstellung der modernen Kunst in Österreich gewährleistet ist.

Hermann Fillitz hat dafür mit seiner Initiative, seinem Engagement und seinem Sachverstand einen unschätzbaren Beitrag geleistet.

Mit den Worten, „[mit] Hermann Fillitz verlieren wir einen hochgeachteten Wissenschaftler und eine prägende Persönlichkeit des österreichischen Kulturlebens“, würdigte Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer zutreffend seine Verdienste als eine der bedeutendsten Personen des kulturellen Lebens Österreichs in den letzten Jahrzehnten. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Mit seinem Tod verliert die Österreichische Ludwig-Stiftung nicht nur ihre letzte Gründungsperson, sondern vor allem auch eine großartige Persönlichkeit und einen wahren Humanisten.

Gottfried Toman   Sabeth Buchmann

Am 19. und 20. November 2021 fand die Festtagung zum 40-jährigen Jubiläum „Ästhetik, Ethik, Identität – Museum des 21. Jahrhunderts“ im mumok, Wien statt.


Mit Blick auf die vierzigjährige Geschichte der Österreichischen Ludwig-Stiftung und deren Aufgabe der Förderung und des Ankaufs künstlerischer Arbeiten für die österreichischen Bundesmuseen, widmete sich die Festtagung den gegenwärtigen und künftigen Perspektiven musealer Sammlungen. Entsprechend des wachsenden ästhetischen und institutionellen Bewusstseins um die Notwendigkeit einer inklusiveren, d.h. sozio-kulturelle Vielheit berücksichtigenden, Sammlungspraxis adressierten die Vorträge und Diskussionen zentrale, von Kontroversen geprägte Stichworte wie Transkulturalität, Diversität und kulturelles Erbe im Spannungsverhältnis mit Globalisierungsprozessen. Die Stiftung konnte mit den Künstler:innen Tania Bruguera und Florian Pumhösl sowie den Museumsleiter:innen und Kurator:innen Brigitte Franzen, Ana Gonçalves Magalhães, Max Hollein, Christian Kravagna, Mahret Ifeoma Kupka, Matthias Michalka, Susanne Titz und Luisa Ziaja Gesprächspartner:innen gewinnen, die in den vergangenen Jahren wesentlich zur historisch-kritischen Neukonzeption von Sammlungsagenden beigetragen haben.

Tag 1

Tag 2 Part 1

Tag 2 Part 2

Ankäufe der letzten Jahre

Gemäß ihrer Ankaufs- und Förderpolitik kauft die Österreichische Ludwig-Stiftung Kunstwerke für die Sammlungen des Bundes an. Mit den Ankäufen kommt die Stiftung dem Ziel nach, die Sammlungsbestände der Bundesmuseen in Ergänzung zu ihrem gesetzlichen Auftrag substanziell, d. h. eben auch im Sinne eines ästhetisch komplexen und gesellschaftsrelevanten Kunstbegriffs auszubauen. Nähere Informationen zu den angekauften Werken können den vom Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport herausgegebenen Kunst- und Kulturberichten entnommen werden.


Rosemarie Castoro, Land of Lads, 1975
Rosemarie Castoro, Land of Lads, 1975
© MAK/Georg Mayer

Lutz Bacher, FIREARMS, 2019
Lutz Bacher, FIREARMS, 2019
 © mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien